Long live the Queen

 

"Hast du es schon gehört?", flüsterte eine Stimme.
"Ja, unglaublich, oder?", gab eine andere Stimme zurück.
"Es soll alles am altem See passiert sein?"
"Ehrlich? Soll es nicht dort spuken?"
"Ich weiß, aber ... keine Ahnung."
"Gut, lass uns nicht darüber reden."
"Hast du schon gehört...."


Das Leid fing an einem Sonntag an. Ein Sonntag im Mai. Ein Sonntag, der wie jeder andere angefangen hatte. Zwei Mädchen, beide ungefähr zwölf Jahre alt, saßen auf einem Steg, nahe des alten Ufers eines alten Sees. Beide trafen sich hier zum ersten Mal und beide erzählten ihre Geschichten und tauschten sie untereinander aus.
Es waren normale Lebensgeschichten, Geschichten, die alle , erlebt haben, erleben und erleben werden, sobald sie das zwölfte Lebensjahr erreichen. Und doch hatten beide sehr viel Spaß.
Sie lachten und scherzten miteinander, wie gute Freundinnen es immer tun.
In ihrem freundschaftlichen Tun wurde es immer dunkler um sie herum. Die Nacht brach an. Und damit sollte die eigentliche Geschichte beginnen.
Als die beiden es endlich bemerkten, war es schon sehr spät. Mitternacht, um genau zu sein. Die bekannte Geisterstunde.
Und so erhoben sich auch die Lichter über ihnen. Das Wasser bebte. Beide hatten einen riesigen Schrecken bekommen. Was war da nur los?
Da sammelten sich tausend von Lichtern um die Oberfläche des Sees. Sie bildeten eine Form. Eine...Frau?
Angst machte sich in beiden breit. Was sollten sie tun? Weglaufen? Unmöglich, ihr ganzer Körper füllte sich langsam von oben nach unten mit Blei. Zumindest fühlte es sich so an. Noch nicht einmal zittern war ihnen erlaubt.
Die Frau streckte eine Hand aus.
"Wie lange habe ich gewartet...", rief sie in einer melancholischen Singstimme, "...bis mir ein passendes Opfer dahergebracht wird..."
Die Angst packte die Mädchen. Doch sie konnten nicht fliehen. Nicht, solange es dunkel war. Der Wald erschien so breit und dunkel und unheimlich...
Die Frau lachte auf. Ein wahnsinniges Grinsen machte sich auf ihren Gesicht breit. Ihre Augen nahmen auch etwas unstoppbares an.
Dann griff sie nach den beiden.

Zurück blieben nach dieser Geisterstunde nur noch zwei Skelette. Von zwei Kindern. Von zwei Mädchen. Und auch nur die Skelette.
Schaurig mögen ihre Stimmen im Wechselgesang erklingen.
Ihre Wehklagen.

Die Königin hat ihren Platz abgegeben, sie gab ihn an zwei junge Mädchen.
Und sie singen abwechselnd:
Hoch lebe, die Königin.
"Long live the Queen."

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