Welchen Weg wirst du gehen?

 

 

Es waren einmal ein Zwillingspaar, Kazuha und Kazuhi Hakute. Sie dachten alle beide, dass solange der andere da war, alles gut war. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr und ihre Verbundenheit auf eine große Frage stellte...


„Kazuha!“, rief Kazuhi fröhlich,“Sonst kommen wir ja noch zu spät auf unserer eigene Feier!“ Es stimmte, sie wurden heute 16. „Ich komme ja schon“, meinte Kazuha murmelnd, aber auch sie wirkte fröhlich. Doch sie ahnten ja nicht, welches Schicksal für sie bestimmt war...
Auf der Feier war alles schön, gut und fröhlich, auch die Geburtstagskinder selbst. Sie bekamen massenweise Geschenke und auch eine riesige Torte. Alle waren glücklich und feierten den 16. Geburtstag der Zwillinge Hakute. Die zwei waren sehr beliebt.
Kazuha, eine Romantikerin, wurde schon oft betrogen, Kazuhi aber, die eher kritischere, hatte noch nie einen Freund oder so gehabt. Dieser Instinkt für das Gute und Böse in den Menschen würde sie noch retten, wenn sie die richtige Entscheidung träfe...
Am späten Abend, die zwei hatten ausgiebig gefeiert. Sie machten sich fertig und schliefen schnell ein. Leider...
Im Traum beider kam er dann, der Entscheidende.
Kazuha sah alles schwarz, nur sie selbst konnte sie noch sehen. Sie geriet in Panik. Sie schrie nach ihrer Schwester. Doch das Schwarz verschluckte alles.
Kazuhi dagegen blieb cool, sie registrierte das Schwarze als harmlos, außer, das es eben Töne und das Licht verschluckt. Sie ging im Kreis herum.
Plötzlich wurde es heller, eine unheimliche Gestalt erschien. Er trug einen Kapuzenmantel und eine Sense, wie der Todesgott in unsere Vorstellung.
„Ich habe euch erwartet“, sagte diese mit einer rauen Stimme, „Hier werdet ihr euch entscheiden. Licht oder Dunkelheit wird dann euer Herz erfüllen.“
Kazuha sah Kazuhi und Kazuhi sah Kazuha. Kazuha griff nach ihrer Schwester, doch diese wich zurück, sodass sie auf dem Boden landete. „Autsch...“, murmelte sie beleidigt.
Aber Kazuhi starrte nur diese Gestalt an...
Es erschienen Bilder vor deren Augen. Zwei verschiedene Perspektiven, die eine fröhlich, hell und die andere trist, leer und traurig. Doch jetzt, die erste ändert sich, Trauer erfüllt das Bild. Tränen. „Was...soll das?“, fragte Kazuhi ruhig, still und ernst. Sie half nun auch Kazuha wieder auf die Beine. „Was willst du damit bezwecken, Gott?“
Die Gestalt erschrack. Wieso wusste sie, das er Gott war? Er wich zurück, in der Bestürzung, das jemand ihn in wahrer Gestalt gesehen hat. Nein, nicht die schützende Gestalt in den Bibeln, nein, der Gott, der diese Welt angeblich erschuf, gab es nicht. Nur jener, der die Menschen auslöscht, jener, der anderen Kummer durch den Verlust eines Menschen verursacht, er war Gott.
Kazuhi sah in an, ohne einen Funken Reue oder Unsicherheit. Sie wusste, sie hatte ins Schwarze getroffen.
Gott hatte sich wieder einigermaßen beruhigt und sagt mit der gleichen unheimlichen rauen Stimme: „Das tut nichts zur Sache, es geht hier um euch und nicht um mich. Vielleicht wirst du es ja irgendwann herausfinden, kleines Fräulein.“ Da Kazuhi nichts erwiderte, fuhr er fort: „Also, wie schon gesagt, es geht um euch, besser gesagt, um eure Zukunft und wie ihr weiter leben wollt. Die zwei Ansichten habt ihr ja schon gesehen. Entweder ihr verschließt euer Herz und sterbt alleine mit einem Leben voller Kälte, das heißt, ihr werdet niemanden trauen und euch auch nie wieder verlieben, denn euer Herz ist das eingefroren. Oder die zweite Variante ist, das ihr euer Herz weiter öffnen wollt, eine glückliche Ehe vielleicht und vielleicht sogar Kinder, aber das Schlechte daran ist, das ihr auch verletzt werden könntet, wenn ihr nicht den Richtigen findet, euer Herz bleibt also, wie es gerade ist, voller Wärme und Freundlichkeit.“ Er sah die beiden an.
„Und wenn ihr beide etwas anderes wählt, so wird euch das Schicksal wahrscheinlich auseinander reißen, aber das ist ungewiss“, fügte er noch hinzu.
Kazuha erstarrte. Sie wollte kein kaltes Herz, aber...sie weiß es einfach nicht.
Tränen kullern an ihrer Wange herunter. „Ich...will das nicht“, brach sie schluchzend hervor. Aber Kazuhi war es egal, von Anfang an stand auch nur eine Entscheidung für sie infrage. „Ich werde mein Herz erfrieren lassen, das ist meine Entscheidung“, sagte sie mit entschlossener Stimme.
Kazuha sah sie erschrocken an. „N-n-nein...“, brach sie hervor, „wieso? Du hattest doch immer den besseren Instinkt und kannst doch getrost im Licht leben, also warum?“ Kazuha sank zusammen, sie hatte keine Kraft mehr, aber sie wusste auch, das auch für sie nur eins infrage kam: Das Leben im Licht, anders hätte sie es nicht ertragen.

Am nächsten Morgen dachte Kazuha zuerst, das der Traum auch nur ein Traum sein würde, aber Kazuhi war kalt, kälter als sonst. Kazuha erschrak wieder und sank zusammen, Ohnmacht. Es ist also wahr..., dachte Kazuha noch, bis sie in einen tiefen Schlaf fiel.
Und so nahm das Schicksal seinen Lauf.
Kazuha wurde immer wieder wegen ihrer Leichtsinnigkeit betrogen und belogen, doch wird sie am Ende noch den Richtigen finden?
Kazuhi dagegen wurde im Laufe der Jahre immer kälter und abweisender, ohne einen Funken von Freundlichkeit. Ihr war alles egal und so starb sie auch eines Tages, denn sie erfror an sich selbst.
Und noch heute fragen sich Kazuha und auch Kazuhi...
War es die richtige Entscheidung?

Und nun frage ich dich:
Welchen Weg würdest du gehen?

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