Wunder

Leise wehte es mir um die Ohren, fast schleichend und schelmisch kroch es heran.
Zu einem kleinen Wind wurde es, immer wieder stärker, immer wieder schwächer.
Ich mochte es, ich liebte es. Ich brauchte nur das, sonst nichts.
Ich ließ mich fallen auf das goldene Meer, ein Weizenfeld.
Ich dachte nach. Über nichts und über doch etwas.
Ich weiß nicht warum, ich weiß nicht wieso. Ich liege hier und genoss es in vollen Zügen. 
Es war fantastisch.
Ich will nicht zurück. In dieses kalte leere Klassenzimmer, wo niemand mich missen wird und niemand mich sehen mag.
Ich will hier sein, denn alles ist gut hier. Die Luft, die Nutzung, alles.
Ich...muss aber.
Er wartet auf mich. Ich muss zu ihm gehen, sonst wird er nur traurig. Ich will ihn nicht traurig machen. Nicht in dieser Jahreszeit. Nicht hier und nicht jetzt. Denn es ist Sommer und ich habe ihm doch versprochen, mit ihm noch ganz viel zu unternehmen. Deswegen darf ich nicht bleiben. Ich gehe zu ihm.
Mühselig stand ich auf und nahm meine Sachen, die neben mir lagen.
Ich lief durch dieses goldene Meer und lachte. Es war herrlich. Noch herrlicher war es, dass ich ihn gleich sehen werde. Ich liebe ihn!
Ich lief ein bisschen schneller, ich will zu ihm!
Der Wind lief mit mir, neben mir. Was für ein herrlicher Sommertag! Das will man nicht mehr missen, wirklich nicht.
Ich stieg die Stufen hinauf, diese grauen Stufen, die im Sonnenlicht der Nachmittagssonne auch irgendwie golden oder gelben glänzen zu mögen. Es war schön wie ich fand.
Immer hastiger stieg ich hoch, bis ganz oben, wo er auf mich warten solle, im Klassenzimmer.
Ich bog auf den Flur, heraus aus dem gelblich schimmernden Treppenhaus. Ich verschnaufte vor dem Zimmer. Langsam öffnete ich die Tür. Ich lugte hinein. Das Klassenzimmer war lichtdurchflutet und schimmerte überall golden. Es war so schön!
Das kalt wirkende graue Klassenzimmer war jetzt ein prachtvoller Anblick. Inmitten dieses schönen Wunders stand er, er lehnte an einem Tisch und las. Er sah hinauf, als ich ruckartig die Tür aufmachte, überwältigt von diesem Anblick gewesen. Er lächelte, lachte mir zu. Er dachte wohl, typisch für sie. Er wusste einfach, was mich fröhlich machen konnte.
Ich lief auf ihn zu und umarmte ihn. Vielleicht etwas zu stürmisch oder auch nicht.
Nur er musste weiter lachen.
Er wusste, was ich getan habe, als Pause war. Er wusste, was ich dabei empfand und er wusste, dass ich es, egal wie gern ich ihn haben konnte, dass ich es lieber allein mache.
Es war ein kleines Wunder, dass mich jemand so gut verstand und zu mir stand. 
Und inmitten des Wunders vom goldenen Klassenzimmer und das Wunder von ihm, dachte ich an diesem wunderbaren Sommertage:
Es ist doch okay, solche kleinen oder großen Wunder für mich zu behalten, oder nicht? 

Wunder/Ende

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